Selbsthilfe

Wie Schreiben dich zu dir selbst bringt, selbst wenn du keine Zeit zum Schreiben hast

Von Anja Liske-Moritz

Oktober 23, 2022

Wie Schreiben dich zu dir selbst bringt, selbst wenn du keine Zeit zum Schreiben hast

Neulich habe ich einen Wutbrief geschrieben. 

Einen brennenden, blutroten, explodierenden. 

Eigentlich hatte ich ihn gar nicht geschrieben, sondern ihn in meine Transkribier-App auf dem Smartphone hineingewütet.
Und es war auch nicht einer, sondern sechs.

Was ich später las, war meine ureigene Sprache, meine Ausdrucksweise, meine authentischsten, ungefilterten Gedanken. Eine wilde und erboste Frau, hässlich in ihrer Wut und vielleicht schön in ihrem Schmerz, wer weiß. War mir egal.

Die letzten Masken fielen. Die, die ich sogar vor mir selbst getragen hatte.

Gott, war das befreiend, diese Empfindungen rauszulassen! Rumzubrüllen, wenn es sich denn so anfühlt. Gehässig zu sein, wenn es erleichternd wirkt. Hässlich zu sein – und sich in seiner eigenen Hässlichkeit feiern. Dann bin ich eben hässlich und böse und gemein – ich darf das, oh ja, und ob ich das darf!!

Das spätere Lesen war ein Genuss.
Der außerdem nur Vorteile hatte:

Ich hatte niemanden verletzt. 
Ich hatte kein Porzellan zerschlagen, musste also auch nichts kitten.

Ich hatte meine Wut solange ausgedrückt, bis ich genug davon hatte. Bis sie mich zu langweilen begann.

Danach konnte ich damit beginnen, sie zu kanalisieren. 

Ich las meine Wutausbruchbriefe. Das war deutlich besser als jede Ablenkung durch das Internet. Besser als jedes Gespräch!

Zuerst nahm ich sie als meine eigenen, aufgeschriebenen Gedanken wahr. Später ging ich in die Position einer Beobachterin hinein und las sie als unbeteiligte Dritte: als Leserin eines fremden Tagebuchs, als Schriftstellerin, als Literaturkritikerin. Als Coach. 

Danach begann ich sie zu editieren, einzudampfen.
Auf ihre Essenz. 

Es war genug Banales dabei. Eine Menge Sich-Wiederholendes. Versuche, tiefe Empfindungen zu erklären. Dazu Vorwürfe und Belehrungen. Arrogante, verletzende Pfeile.

Auftauchende Affirmationen.
Und scheinbar spontane Einsichten. Schwarz auf weiß. Es fehlten etliche Punkte und Kommas, auch orthographisch war manches beim Transkribieren nicht glatt gegangen, aber da waren sie: gedruckt und eindrücklich. 

Gerettete Gedanken.  

Nicht verlorengegangen in der Hitze eines Gesprächs. Nicht ungesehen verraucht, weil neuer Beschuss erfolgte. Nicht verhallt inmitten vieler anderer Worte, unbegriffen.

Kennst du das auch? Es unterlief dir ein guter Gedanke, eine spontane Botschaft an dich selbst. Eben war sie klar und licht, lebendig; doch nur eine Unterbrechung später steht nur noch ein Traumbild davon im Raum. 

Halte sie fest. Sprich. Schreibe sprechend!
Dein Smartphone hast du fast immer dabei. 

Nimm kein Blatt vor den Mund!
Feiere diese Freiheit.

Sei weich und weinerlich.
Sei größenwahnsinnig und mordlustig, zärtlich und zu Tode verliebt, sei geil, verführerisch, verehre, bete an!
Schwebe in monastischer Klarheit.
Sei bieder, sei einfältig.
Verächtlich und gemein. Hinterhältig.

Lass alles raus, alles. 

DU unterliegst keiner Zensur. 

Du bist okay.
Deine hellen Seiten sind okay.
Deine dunklen Seiten sind okay. Sie sind noch viel interessanter als die hellen. Wenn du sie auslebst, können sie zerstörerisch sein. Beleidigungen, die du jemandem an den Kopf schleuderst, können eine Beziehung zerstören, die Jahre gebraucht hat, um zu wachsen. Gewalt kann alles vernichten, restlos. 

Aber wenn du zulässt, dass du so empfindest und es für dich ausdrückst, nur für dich, solange, bis du es satt hast:
dann wirst du ruhig. 

Und GANZ. 

Vom berühmten Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung stammt das Zitat

Auch das glücklichste Leben ist nicht ohne ein gewisses Maß an Dunkelheit denkbar. Glück würde seine Bedeutung verlieren, hätte es nicht seinen Widerpart in der Traurigkeit. 

Es gibt kein Licht ohne Schatten.

Was bringt es dir, deine Dunkelheit ebenso anzunehmen und auszudrücken wie dein Streben nach dem Hellen, nach dem Glück?

Tiefenentspannung.
Selbsterkenntnis. 
Selbstakzeptanz. 

Die Begegnung mit deiner inneren Weisheit. 

Das unkontrollierte, ungefilterte Sprechen öffnet ihr das Tor, damit ihre Botschaft zu dem bisschen Alltagsbewusstsein, das wir im Normalfall für uns selbst halten, durchdringt und bewusst wird. 

Die innere Weisheit ist immer da.
Leider ist uns oft der Zugang zu ihr versperrt. Sie will sich mitteilen und sie tut es! Doch sie ist nur eine der vielen inneren Stimmen, die zu uns sprechen.

Ich rede nicht von schizophrenem Stimmen-Hören, sondern von dem völlig alltäglichen Gewirr von Gesprächen im Kopf, die ebenso unermüdlich wie unhinterfragt ihr Theaterstück aufführen. Zwar immer aus dem Stehgreif, aber viel zu oft mit den immer gleichen Textbausteinen.

Exkursion in den Kopf:

Stimme 1: Du musst dich einfach noch mehr anstrengen! Mach doch nicht auf halber Strecke schlapp!
Stimme 2: Ich kann aber nicht mehr. Es ist sinnlos. Ich geb‘ auf. 
Stimme 3: War doch klar, dass du das nicht hinkriegst. 
Stimme 4: War überhaupt nicht klar! Du hast schon ganz andere Sachen hingekriegt! Und zwar total souverän!
Stimme 2: Naja, schon, aber das war doch was völlig anderes… 
Stimme 5: Bring doch erstmal Ruhe rein. Lass etwas Zeit vergehen. 
Stimme 1: Genau! Und danach strengst du dich wieder an!
Stimme 2:  Ich weiß weder vor noch zurück… 
Stimme 3: Ruhe… dass ich nicht lache! Zeit vergehen lassen –  noch bescheuerter! Du musst du endlich mal draufhauen und sagen, dass es so nicht geht! Nicht immer brav und nett sein. 
Stimme 6: Da hat sie völlig Recht! Das hat dir damals auch geholfen!
Stimme 7: Boah, bin ich müde. Was kommt denn auf netflix?

Wenn du dir schreibender Weise dein Theaterstück im Kopf bewusst machst, wirst du staunen, über wie viele innere Stimmen du verfügst.

Oder sie über dich. 

Schneller geht es, wenn du deine Selbstgespräche mittels Transkribier-App aufnimmst. Beim Spaziergang. Beim Grübeln auf Autofahrten.

Zumindest hier im ländlichen Brandenburg gibt es den kostenlosen zusätzlichen Erleuchtungs-Fun-Factor in der App: Bei entsprechender Internetverbindung liest du später Sätze, die deine innere Weisheit weit übersteigen…

Mein Tipp für dich: Ich benutze Voice Notebook von Simple Seo Solutions. Damit kannst du deine Texte direkt in der App korrigieren, editieren und auch versenden. 

Deine innere Weisheit will gehört werden. Öffne ihr den Kanal.
Dann spricht sie klar und deutlich.

Vielleicht wirst du etwas Übung brauchen, um ihren Dialekt zu verstehen, aber sie spricht immer in deiner Sprache zu dir. Sie offenbart dir die richtigen Wege, die richtigen Zeiten und die richtigen Worte. 

Wenn du nicht weiter weißt, dann sprich. Und lass es mitschreiben. 

Gestatte deiner inneren Weisheit den Zugang zu dir. 

Spar dir zusätzliche Stunden des Zu-Dir-Finden-Wollens. Lange Meditationen mit Rückenschmerzen. Spar dir die Tränen und das furchtbare Gefühl, nicht mehr weiter zu wissen oder vor einsamer Verzweiflung zu zerspringen. 

Unter deinen Masken zu ersticken. Zu verfaulen.

Spar dir eine Menge Geld. Deine innere Weisheit braucht keine extra-time. Kein extra-money. Sie arbeitet unentwegt für dich, nur für dich, sie gehört zu dir. 

Sie gehört dir. 
Sie benötigt nur dein Ohr.
Leih es ihr. Gehorche ihr.

Leih ihr deine Stimme.

Du wirst blühen.

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